Salomon

 Salomon Idler, geboren am 11.2.1610 in Cannstatt(Fischergasse)

 Aktuelles von unserem Salomon :

 bitte dazu nachfolgenden Link zuden STUTTGARTER NACHRICHTEN anklicken

 Salomon Zeitungsnotiz vom 30.12.2009

  

Die ESSLINGER ZEITUNG schreibt am 11.2.2010 :

Der fliegende Schuster feiert 400. Geburtstag

BAD CANNSTATT: Salomon Idler wurde in der heutigen Brählesgasse geboren

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(ede) - Heute wird er 400 Jahre alt, der fliegende Schuster von Augsburg. Geboren wurde Salomon Idler aber in der Fischgasse in Bad Cannstatt, der heutigen Brählesgasse. Grund genug für einen Teil der weltweit verstreuten Idler-Sippe, dem Geburtsort ihres Vorfahren einen Besuch abzustatten.

Bezirksvorsteher Thomas Jakob begrüßte die Nachkommen in seinem Amtszimmer und hatte auch gleich gute Nachrichten bereit. Manfred Schmid vom Kulturamt berichtete über eine Ausstellung im Stadtmuseum, die sich mit der Luftfahrtgeschichte und dem Cannstatter Wasen als Flugfeld beschäftigt. Die Ausstellung, die am 11. Mai eröffnet wird, beginnt mit Salomon Idler, „dem Gründer einer Tradition“, so Schmid. Hans Betsch, Vorsitzender von Pro Alt-Cannstatt, nimmt Idler mit in den historischen Pfad auf. Am Gebäude Brählesgasse 3 soll eine Tafel mit kurzer Info über den fliegenden Schuster von Augsburg angebracht werden.

Darauf wurde erst einmal angestoßen - mit Idler-Sekt versteht sich. Der Geburtstag des berühmten Vorfahren wird am 13. Juni in Strümpfelbach, dem Stammsitz der Idler-Sippe, groß gefeiert. Alle fünf Jahre wird ein Idler-Treffen organisiert, zu dem fast 400 Teilnehmer kommen. Roland Idler schilderte das Leben des Flugpioniers, der als erster Deutscher gilt, der nachweisbar das Fliegen probierte, 150 Jahre vor dem berühmten Schneider von Ulm. „Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Es ist bewiesen, dass Salomon Idler geflogen ist.“ Es gebe Prozessakten und eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1942. Eugen Oskar Rindt schildert darin, dass die Meistersinger von Augsburg 1665 gegen Idler vor dem Hohen Rat einen Prozess anstrengten. Er hatte sich nämlich erdreistet, als Schauspieldirektor zu agieren. Dabei sei doch „hirnlos und luftsinnig“, weil er seinen „närrischen Einbilden nach“ vom Perlachturm herabfliegen wollte.

Ursprünglich wollte der gelernte Schuster, den seine Wanderzeit Walz nach Augsburg verschlug, mit seinen selbst gebauten, schweren Flügeln vom 63 Meter hohen Perlachturm seinen ersten Flugversuch unternehmen. Sein Pfarrer redete es ihm aus. Vom Gelingen seines Experimentes überzeugt sprang er vermutlich im Spätsommer 1659 vom Dach eines Schuppens, landete jedoch auf einem Holzgestell. Die Schwere seines Körpers und seine aus Eisen und angeleimten Federn bestehenden Flügeln hatten ihn in die Tiefe gerissen. Er durchschlug das Gestell und erschlug vier Hennen darunter. Der Freiballonverein Augsburg hatte an dieser Stelle zu seinem 300. Todestag eine Gedenktafel anbringen lassen. 1972 wurde im Augsburger Universitätsviertel eine Straße nach ihm benannt.

Salomon Idler versuchte danach sich in anderen Aktivitäten, unter anderem als Dresseur von jungen Pferden, als Gaukler und als Theaterdirektor, was ihm den Prozess einbrachte. Total verarmt starb er am 17. März 1670. Der fliegende Schuster ist auch Thema eines Romans von Peter Dempf aus dem Jahr 2000. „Der Teufelsvogel des Salomon Idlers“ ist jedoch rein fiktiv und hat, so Roland Idler, mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Dennoch habe Dempf seinem Vorfahren damit ein Denkmal gesetzt.

 

 

zur Original-Meldung in der Cannstatter Zeitung hier klicken

Folgender Bericht erschien ebenfalls über das Treffen, anlässlich des 400sten Geburtstages:

.. und so wird unser Salomon in die “Stuttgarter Fliegergeschichte “ aufgenommen  und in der Cannstatter Historie mit der Aufnahme in den Lehrpfad in der Stadtgeschichte geehrt, so wie dies vor Jahren in den Historischen Rundgängen der Volkshochschule Augsburg geschehen ist.

Auf die Ausstellung zu den Flugpionieren des “CANNSTATTER WASENS” , welche voraussichtlich am 11.5.2010 beginnt können wir schon heute gespannt sein, da unser Salomon den zeitlich ersten Platz dieser Ausstellung und Fluggeschichte innehat und somit im besonderen Masse in die “Mobilitäts-Geschichte der Stadt Stuttgart “eingeht.

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Artikel aus dem Archiv der AUGSBURGER Zeitung :

 Der glücklose Flugpionier
23.07.2009 06:22 Uhr
Von Franz Häußler


Augsburg Hätte der Augsburger Schuster Salomon Idler nicht schauspielerische
Ambitionen gehabt und im April des Jahres 1665 um Auftrittserlaubnis gebeten,
wäre er als „Flieger“ in Vergessenheit geraten. Die Vereinigung der
„Meistersinger“ widersprach nämlich diesem Ansinnen auf das heftigste und
schwärzte den „Bürger und Schuhmacher dahier“ beim Rat der Reichsstadt auf
mieseste Weise als „hirnlos und luftsinnig“ an. Um ihn für die Obrigkeit
glaubhaft als „Spinner“ zu diskriminieren, erinnerten die Vorstände der
Meistersinger unter anderem daran, „dass er unbesonnener weiß sich gelüsten
lassen, von dem Perlen Thurn herab zu fliegen“. Dies geht aus den im Stadtarchiv
bewahrten „Meistersinger-Akten“ hervor. Die darin archivierten Briefe,
Widersprüche und Dekrete aus dem Jahr 1665 erzählen die wahre Geschichte des
ersten Augsburger „Flugpioniers“ Salomon Idler.
Leider schmückten „Augsburg-Geschichtla-Schreiber“ später diese schriftlich
festgehaltene Überlieferung mit unsinnig Erdichtetem aus. Dabei hätte das
Zitieren der ohnehin in polemischer und deftiger Ausdrucksweise geschilderten
und wohl damals schon vom Volksmund „angereicherten“ Tatsachenberichte um
Salomon Idlers Flugversuch vollauf genügt. Diese „Historiker“ gingen sogar so
weit, den Protestanten zu „katholisieren“ und ihm einen Benediktiner von St.
Ulrich als Beichtvater und Ratgeber zuzuordnen.
Laut Hochzeitsamt-Protokoll heirateten am 10. Juni 1635 „Salomon Idler, Schuster
von Cannstadt in Wirtenberg, ledigen Stands, und Justine Burkhartin, David
Herbstens, Schuhmacher, selig Wittib dahier“. Durch die Ehe mit der Augsburger
Schusterswitwe bekam der Zugereiste das hiesige Bürgerrecht und durfte die
erheiratete Werkstatt weiterführen. Als seine Frau nach wenigen Jahren starb,
heiratete er ein zweites Mal. Der amtliche Ehe-Eintrag vermerkt hinter beiden
Namen als Religion „AC“ (Augsburger Confession), also evangelisch. Einer der
beiden Bürgen der aus dem Ries stammenden Braut war kein Geringerer als Elias
Holl, „gewester Werkhmaister“ der Reichsstadt Augsburg.
Das Paar lebte im „St. Jacobsdrittel“, also in der Jakobervorstadt. 1658 findet
sich Salomon Idler unter den „Vorgehern“ der Schuhmacher, genoss also in seiner
Zunft Ansehen. Dass der 1610 geborene Württemberger auch ein Tüftler,
Possenreißer, Poet, Schauspieler und Flugpionier war, wird erst ab April 1665
als Folge seines Antrags an „einen Ehrsamen Hochweißen Magistrat“ offenbar, mit
eigener Truppe „Tragedien und Comedien“ im Komödienstadel (so hieß das
Stadttheater in der Jakobervorstadt) aufführen zu dürfen.
„Meistersinger“ machten Ruf madig
Für die Nachwelt entschieden interessanter als dieses Ansuchen sind die jeweils
mehrseitigen Widersprüche der höchst einflussreichen, vom Rat um Stellungnahme
ersuchten Gesellschaft der „Meistersinger“ gegen die Zulassung. Für sie war
Idlers Ensemble eine miserable Laienspieltruppe, die bestenfalls auf einem Dorf,
nicht aber in Augsburg auftreten dürfe. Bereits im ersten Schreiben vom 23.
April 1665 machten die Meistersinger Idlers Ruf mit der „Flieger“-Episode auf
deftigste Weise madig. „Dieser hirnlose und lufftsinnige Salomon hat seinem
närrischen Einbilden nach sich sogar unterstehen wollen, von dem Perlen Thurn
herab zu fliegen, hat es auch werckstellig machen wollen, wenn nicht ein
vornehmer Geistlicher Herr Ihm solchs inhibieret und geraten hätte, dass er
zuvor auf den Thurn fliegen und sich als dann mit seinen windsichtigen Flügeln
wieder herab wagen möge.“ So lautet ein Satz in dem Schreiben an den Rat.
In einer weiteren Stellungnahme Ende Mai 1665 kommen auch andere
„Phantastereien“ Salomon Idlers zur Sprache. Die zu diesem Zeitpunkt
wahrscheinlich schon viele Jahre zurückliegende Flug-Episode wird darin
wiederholt und zu Ende geführt: Nachdem der „vornehme Geistliche“ ihm mit viel
Mühe widerraten habe, seinen ersten Flug vom Perlachturm aus zu machen, habe
Idler „in dem Rahmgarten solche fliegende Kunst ins Werk zu setzen sich
underwunden, ist von einem Dächlen auf eine Brett-Prugg geflogen, worunder
etliche Hennen gewesen, die er mit seinem Knall und Fall erschlagen, und
deßwegen von vielen verlacht und der fliegende Schuster genannt worden. So hat
er, nachdem diese fliegende Kunst nit gerathen, und er die Lufft seinem windigen
Vorsatz nach nit durchstreichen können, seine mit langer Handt und großen
Unkosten zusammen gemachte Flügel von allerhand gefärbten Federn und
Eisenbeschlag … aus Ungeduld zu Oberhausen auf einem Hackblock zerhauen lassen.“

Ob historische Abbildungen des Dädalos und seines Sohnes Ikaros die Fantasie von
Salomon Idler zu seiner Eigenkonstruktion angeregt hatten, ist nirgendwo
überliefert. Die beiden hatten sich in der Antike der Sage zufolge mit aus
Federn und Wachs gefertigten Flügeln in die Lüfte geschwungen, was Salomon Idler
misslang. Wie das Steuerbuch von 1669 vermerkt, starb er nicht am Sturz, sondern
viel später im Spital. Im „Unteren Gottesacker bei St. Stephan“ (am Lueginsland,
heute eine Gartenanlage) fand er seine letzte Ruhestätte.
Straße im Univiertel als Erinnerung
Die 1665, also zu Lebzeiten Idlers, verfassten Schreiben belegen eindeutig, dass
es den „Flugpionier“ tatsächlich gab. In welchem Jahr der Flugversuch stattfand,
geht aus den Archivalien nicht hervor. Das Andenken an ihn wird mit einer 1970
gesetzten Gedenktafel im Rahmgartengässchen und mit der 1972 nach ihm benannten
Straße im Univiertel wachgehalten.
Mit Salomon Idler beginnt im „Augsburg-Album“ die Serie „Augsburgs
Luftfahrt-Geschichte“ mit 14 weiteren Folgen.
 

 

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