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Der fliegende Schuster feiert 400. Geburtstag
BAD CANNSTATT: Salomon Idler wurde in der heutigen Brählesgasse geboren

(ede) - Heute wird er 400 Jahre alt, der fliegende Schuster von Augsburg. Geboren wurde Salomon Idler aber in der Fischgasse in Bad Cannstatt, der heutigen Brählesgasse. Grund genug für einen Teil der weltweit verstreuten Idler-Sippe, dem Geburtsort ihres Vorfahren einen Besuch abzustatten.
Bezirksvorsteher Thomas Jakob begrüßte die Nachkommen in seinem Amtszimmer und hatte auch gleich gute Nachrichten bereit. Manfred Schmid vom Kulturamt berichtete über eine Ausstellung im Stadtmuseum, die sich mit der Luftfahrtgeschichte und dem Cannstatter Wasen als Flugfeld beschäftigt. Die Ausstellung, die am 11. Mai eröffnet wird, beginnt mit Salomon Idler, „dem Gründer einer Tradition“, so Schmid. Hans Betsch, Vorsitzender von Pro Alt-Cannstatt, nimmt Idler mit in den historischen Pfad auf. Am Gebäude Brählesgasse 3 soll eine Tafel mit kurzer Info über den fliegenden Schuster von Augsburg angebracht werden.
Darauf wurde erst einmal angestoßen - mit Idler-Sekt versteht sich. Der Geburtstag des berühmten Vorfahren wird am 13. Juni in Strümpfelbach, dem Stammsitz der Idler-Sippe, groß gefeiert. Alle fünf Jahre wird ein Idler-Treffen organisiert, zu dem fast 400 Teilnehmer kommen. Roland Idler schilderte das Leben des Flugpioniers, der als erster Deutscher gilt, der nachweisbar das Fliegen probierte, 150 Jahre vor dem berühmten Schneider von Ulm. „Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Es ist bewiesen, dass Salomon Idler geflogen ist.“ Es gebe Prozessakten und eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1942. Eugen Oskar Rindt schildert darin, dass die Meistersinger von Augsburg 1665 gegen Idler vor dem Hohen Rat einen Prozess anstrengten. Er hatte sich nämlich erdreistet, als Schauspieldirektor zu agieren. Dabei sei doch „hirnlos und luftsinnig“, weil er seinen „närrischen Einbilden nach“ vom Perlachturm herabfliegen wollte.
Ursprünglich wollte der gelernte Schuster, den seine Wanderzeit Walz nach Augsburg verschlug, mit seinen selbst gebauten, schweren Flügeln vom 63 Meter hohen Perlachturm seinen ersten Flugversuch unternehmen. Sein Pfarrer redete es ihm aus. Vom Gelingen seines Experimentes überzeugt sprang er vermutlich im Spätsommer 1659 vom Dach eines Schuppens, landete jedoch auf einem Holzgestell. Die Schwere seines Körpers und seine aus Eisen und angeleimten Federn bestehenden Flügeln hatten ihn in die Tiefe gerissen. Er durchschlug das Gestell und erschlug vier Hennen darunter. Der Freiballonverein Augsburg hatte an dieser Stelle zu seinem 300. Todestag eine Gedenktafel anbringen lassen. 1972 wurde im Augsburger Universitätsviertel eine Straße nach ihm benannt.
Salomon Idler versuchte danach sich in anderen Aktivitäten, unter anderem als Dresseur von jungen Pferden, als Gaukler und als Theaterdirektor, was ihm den Prozess einbrachte. Total verarmt starb er am 17. März 1670. Der fliegende Schuster ist auch Thema eines Romans von Peter Dempf aus dem Jahr 2000. „Der Teufelsvogel des Salomon Idlers“ ist jedoch rein fiktiv und hat, so Roland Idler, mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Dennoch habe Dempf seinem Vorfahren damit ein Denkmal gesetzt.
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